Vor der Anhörung im Gesundheitsausschuss

Anhörung im Gesundheitsausschuss 15.5.19

In der Anhörung des Gesundheitsausschusses waren die PiA die Gewinner*innen der Herzen: Spätestens jetzt ist, wenn nicht schon in der Bundestagslesung am 09.05.2019, ist allen Fraktionen bewusstgeworden, dass wir in einer untragbaren Situation stecken. Am meisten Unterstützung bekamen die PiA von den Vertreter*innen der Linken und der Grünen.

Enttäuschend war jedoch erneut die Unterstützung aus unserem eigenen Berufsstand: Zwar sprach sich der Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer für eine Verbesserung der PiA-Situation aus und bewies Weitblick, in dem er die notwendige zusätzliche Finanzierung der zukünftigen ambulanten Weiterbildung forderte.

Bei vielen weiteren Punkten ist sich der Berufsstand aber noch nicht einig, so etwa bei der Ausgestaltung der Praxisanteile im Studium. Hier reichen die Einschätzungen von der Forderung nach einem Praxisjahr bis hin zu der abwehrenden Aussage, dass für uns ja bereits (entsprechend eines Anhangs zum Referentenentwurf) mehr fachspezifische Praxis im Studium als bei ärztlichen Psychotherapeut*innen vorgesehen sei.

Auch ist noch unklar, wie sich die Verfahrensvielfalt im Studium abbildet. Um einschätzen zu können, was uns hier tatsächlich erwartet, fehlt eindeutig der Entwurf einer Approbationsordnung, wie im Ausschuss von juristischer Seite bestätigt wurde: Im Moment kaufen wir die Katze im Sack.

Damit verbunden ist die Kontroverse, ob und unter welchen Voraussetzungen das zukünftige Studium auch an Hochschulen für angewandte Wissenschaften angeboten werden sollte. Dabei bilden letztere schon heute die Verfahrensvielfalt deutlich besser ab als dies die Universitäten tun.

Hinter der Diskussion stecken jedoch andere Fragen, zum einen ob wir die Parallelität zum System der ärztlichen Aus- und Weiterbildung komplett übernehmen (müssen),  zum anderen die Frage, auf welchem Bildungsweg welche Kompetenz erworben werden kann, die sich dann auch in dem entsprechenden Berufstitel niederschlägt. Auch bei der Frage nach der Berufsbezeichnung kommt weiterhin Protest von ärztlichen Funktionär*innen. Ein Berufstitel stiftet eben immer auch Identität und bildet bestimmte Kompetenzen ab.

Die alte Kluft zwischen Ärzt*innen und den anderen psychotherapeutischen Heilberufen bricht hier erneut auf und zeigt sich ebenfalls in der Debatte um die zukünftige Definition dessen, was eigentlich eine Heilbehandlung durch Psychotherapeut*innen ist oder in der Bewertung der Erweiterung der Befugnisse der psychologischen Psychotherapeut*innen (Verordnung von Ergotherapie und psychiatrischer Krankenpflege, Ausstellung von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen). Eine Heilbehandlung bezeichnet bei Ärzt*innen im Endeffekt alles, was ein*e Ärzt*in beruflich tut. Die derzeit vorgesehene Legaldefinition von Psychotherapie erlaubt hingegen nicht einmal die Erforschung neuer, wissenschaftlich noch nicht anerkannter psychotherapeutischer Behandlungsverfahren.

Der Reformvorschlag beinhaltet auch einen neu aufgewärmten Entwurf für eine strukturierte und koordinierte Versorgung komplex erkrankter Patient*innen. Der Gesetzgeber hat hier eine wichtige Problematik erkannt: Die gemeinsame Versorgung von Patient*innen mit besonderem Behandlungsbedarf funktioniert nicht so gut, wie sie könnte. Die Psychotherapie-Richtlinie ist hier aber eindeutig nicht der richtige Regelungsort. Diese intensivere Versorgung an Behandlungsleitlinien und Diagnosecodes auszurichten greift darüber hinaus zu kurz. Jede*r Psychotherapeut*in weiß, dass jede*r Patient*in sehr individuelle Auslöser und aufrechterhaltende Faktoren für die jeweilige Symptomatik hat. Diagnosecodes sind hier per Definition vereinfachend.

Im alltäglichen kollegialen Umgang ist tatsächlich häufig nichts zu spüren von den auf der Funktionärsebene ausgetragenen Grabenkämpfen zwischen ärztlichen und nicht-ärztlichen Psychotherapeut*innen.

Wie schön wäre es doch, wenn wir einfach gute Politik für eine Versorgung mit Blick auf die Patient*innen machen könnten, ohne dass in Elfenbeintürmen solche Konkurrenzkämpfe ausgetragen würden.

Wie schön wäre es doch, wenn die Ausbildungssituation für alle Behandler*innen im Gesundheitssystem erträglich wäre. Unsere Berufe sind auch so fordernd genug.

PiA-Protest vor Schinnenburgs Büro

PiA-Protest im Mai

Am 9.5. fand die erste Lesung des Reformvorschlages für das PsychThG im Bundestag statt, am 15.5. fand dann die Anhörung dazu im Gesundheitsausschuss des Bundestages statt.
Deswegen waren wir – zusammen mit den bundesweit in der Woche stattfindenden PiA-Protesten – nochmal richtig laut und sichtbar.
Wir zogen vom Büro von MdB und Gesundheitsausschuss-Mitglied Schinnenburg (FDP), der sich an dem Tag damit beschäftigt hat, zum Büro der CDU in Hamburg, die ja unseren Gesundheitsminister stellt und deren Abgeordnete mit über den Gesetzesentwurf abstimmen, wenn er nach dem Gesundheitsausschuss wieder ins Plenum des Bundestages kommt.
Es war ein bunter Protest mit wieder fast 100 Teilnehmer*innen – schon, dass ihr da wart!